Fakten-Check: Das Verkehrskonzept der Umgehungsgegner

Faktencheck - Das Konzept der Umgehungsgegner

Die Umgehungsgegner sprechen sich deutlich gegen die Umgehung aus. Wer so strikt gegen eine Umgehungsstraße ist, hat dann ein tragfähiges Alternativkonzept zur Hand, so denkt man. In Teil 2 des Faktenchecks nehmen wir das „Alternativkonzept“ der Umgehungsgegner unter die Lupe.

Seit Jahren wird es in Hilpoltstein verkehrstechnisch immer enger. Das permantent steigende Verkehrsaufkommen hat den Altstadtring über seine Kapazitätsgrenzen (für 6400 Fahrzeuge / Tag geplant) hinausgebracht. Die Staus und langen Autoschlangen kennt jeder. Die gesetzlichen Lärmgrenzwerte sind bei weitem überschritten, Abgase belasten die Hilpoltsteiner Bürger täglich. Dass hier dringender Handlungsbedarf ist, bestreiten selbst die Umgehungsgegner nicht. Sie haben in ihren Informationsmedien nun ein sog. „Alternativkonzept“ entwickelt, dass „moderner“ und „effektiver“ sein soll, als die von uns vorgeschlagene Umgehungsstraße. Dann schauen wir uns diese „Alternative“ einmal näher an.

Öffentlicher Nahverkehr

Aus dem Konzept der Umgehungsgegner:

» Der demographische Wandel gepaart mit dem „Recht auf Mobilität“ macht eines klar: Der ÖPNV soll, wird und muss gestärkt werden. Es werden vielerorts moderne Konzepte entwickelt, die funktionieren und in Hilpoltstein vom Arbeitskreis Verkehr hin zu einer besseren Anbindung an die Knotenpunkte weiter entwickelt werden. [ … ] «

Der Realitäts- und Faktencheck ergibt:

  • Der „ÖPNV soll, wird und muss gestärkt werden“: Ein wunderbarer Politikerallgemeinplatz, den man mittlerweile kennt. Wie aus dieser Absichtserklärung konkret der Verkehr auf dem Altstadtring entlastet werden soll, davon ist nichts zu finden. Was käme da in Frage:
  • Möglichkeit 1: Innerstädtische / regionale Buslinien? Grandios – der jetzt schon überlastete Verkehr auf dem Altstadtring wird dann noch durch zusätzliche Busse belastet. Ob, wie und zu welchen Kosten Busse den Verkehr auf dem Altstadtring entlasten können, dazu ist bei den Umgehungsgegner nichts zu finden.
  • Möglichkeit 2: Hilpoltstein bekommt eine U- oder S-Bahn? U-/S-Bahnen sind ja grundsätzlich eine feine Sache. Nur müsste dazu halb Hilpoltstein aufgegraben werden. Über die Kosten fangen wir am besten gar nicht an, zu spekulieren (30 – 40 Mio € + x, nur mal eine grobe Schätzung). Also entfällt auch diese Variante.
  • Weitere Möglichkeiten wie der ÖPNV konkret den Verkehr insbesondere auf dem Altstadtring entlasten kann, sind hier nicht zu sehen.
  • Fazit:
    Die von den Umgehungsgegnern als Alternative zur Umgehung gepriesene „Stärkung des ÖPNV“ ist eine reine Luftnummer. Keine konkreten Vorschläge, keine belastbaren Studien und Fakten, wie diese Verkehrsentlastung aussehen könnte.

Verbesserte Ampelschaltungen

Aus dem Konzept der Umgehungsgegner:

» Die meisten Ampeln an den Hauptknotenpunkten des Altstadrings sind so alt wie dieser selbst. Moderne Technik wurde lediglich an der relativ neuen Anlage an der Kreuzung zur Hofstettener Hauptstraße erzeugt und siehe da: zu normalen Verkehrszeiten fließt der Verkehr flüssig durch.. [ … ] «

Der Realitäts- und Faktencheck ergibt:

  • Die Behauptung ist schon dreist: Moderne Ampelschaltung wären in der Lage, einen überlasteten Altstadtringverkehr flüssiger zu machen. Das Problem sind ja genau die Stoßzeiten, bei denen nichts mehr geht. Da kann man dann die Ampeln schalten, wie man will – der Verkehr wird nicht weniger
  • Und da wären dann noch die Fußgänger: Die müssen ja über die Straße. Entweder ich lasse die Ampeln als „grüne Welle“ geschaltet, dann müssen die Fußgänger ewig warten und nehmen dann oft das Risiko auf sich, auch bei Rot den Altstadtring zu überqueren. Oder ich mache es für die Fußgänger komfortabler, dann sind die Standzeiten der Fahrzeuge an den Ampeln noch länger.
  • Wie man es dreht und wendet: Solange ich den überlasteten Altstadtring vom Verkehr entlaste, wird sich auch durch noch so ausgeklügelte Ampelschaltungen eine Besserung erreichen lassen.
  • Fazit:
    Auch die „Ampelschaltungen“ als Alternativkonzept erweisen sich bei näherem Hinsehen als reine Luftnummer.

Elektromobilität

Aus dem Konzept der Umgehungsgegner:

» Das fahrerlose Auto wird kommen, der ÖPNV bedarfsgerecht in Echtzeit gesteuert. 2030 ist das Ziel der führenden Industrie, also nur 15 Jahre. Es entzerrt den Verkehr und steuert ihn da hin, wo Platz ist. Was die Politik jetzt schon dafür tun kann? Zum Beispiel die Förderung der Elektromobilität in der Stadt durch kostenfreie Ladestellen und bevorzugte Parkmöglichkeiten für E-Autos, Pedelecs und E-Bikes, so wie das andernorts schon vorgemacht wird.. [ … ] «

Der Realitäts- und Faktencheck ergibt:

  • Was heißt das nun konkret: Bis sich die Technologie der Elektromobilität soweit praxistauglich entwickelt hat, warten wir einfach ab: 15 weitere Jahre nichts tun, bis am Altstadtring nichts mehr geht?
  • Wie sieht die Umsetzung der „Elektromobilität“ ganz konkret in der Praxis aus? Bekommt jeder Hilpolsteiner ein Elektroauto gestellt.? Wird der Durchgangsverkehr am Stadteingang gestoppt und die Fahrer müssen auf Elektroautos umsteigen. Fragen über Fragen, keine konkreten Antworten.
  • Fazit:
    „Elektromobilität“ als verkehrspolitischer Allgemeinplatz liest sich immer gut. Dabei wird auf technologie gesetzt, von der nichteinmal klar ist, wie sie sich konkret entwickeln wird. Wie dadurch der Verkehr auf dem Altstadtring konkret entlastet werden soll, dazu findet man keinerlei Hinweise. Also eine weitere Luftnummer.

Fahrrad-Infrastruktur

Aus dem Konzept der Umgehungsgegner:

» Wir müssen den Fahrrädern mehr Verkehrsraum geben. Die Stadt und der Landkreis haben in der Vergangenheit Millionen in unser Radwegenetz investiert und es gibt ein umfassendes Konzept, das gerade in der Umsetzung ist. Wir konterkarieren diese Investitionen durch eine Stärkung des motorisierten Individualverkehrs durch immer mehr Straßen für ebendiesen. Auch innerhalb der Kernstadt muss in Kooperation mit radverkehrerfahrenen Verkehrsplanern und Stadtplanern sowie engagierten Bürgern ein leistungs-, bedarfs- und bürgergerechtes Radwegekonzept entwickelt werden, das die Stadt dann konsequent umsetzt. [ … ] «

Der Realitäts- und Faktencheck ergibt:

  • Was heißt das nun konkret: Fahrverbot für Autos mit Benzin-/Dieselmotor und Fahrradpflicht in Hilpoltstein? Der Durchgangsverkehr in Hilpoltstein, der vor allem den Altstadtring benutzt, soll aufs Fahrrad umsteigen? Die Hilpoltsteiner werden verpflichtet, ihre Einkäufe mit dem Fahrrad erledigen. Oder bekommen ein Fahrrad gestellt?
  • Fazit:
    Wie schon bei den vorher genannten „Alternativen“ wird hier ein wohlklingender verkehrspolitischer Allgemeinplatz ins Spiel gebracht. Wie das konkret umgesetzt werden soll und wie das zu einer Verkehrsentlastung führen soll: Dazu schweigen sich die Umgehungsgegner aus.

Verkehrsprognosen

Aus dem Konzept der Umgehungsgegner:

» Zwei Drittel des Verkehrs am Altstadtring ist intern bedingt und wird auch mit einer Umgehung erhalten bleiben. Wir reden von einer kaum spürbaren Entlastung, für die wir so viele Opfer bringen sollen. Ist es das wert? Nein! Dass der Verkehr bundesweit immer mehr wird, ist unbestritten, kann aber bei der Beurteilung der Hilpoltsteiner Situation nicht herangezogen werden. Die Demografiestudien zeigen, dass die Bevölkerung des Landkreises, insbesondere im Süden, in Zukunft immer weniger wird. [ … ] «

Der Realitäts- und Faktencheck ergibt:

  • In diesem Punkt bringen die Umgehungsgegner dann endlich ihre wirkliche Einstellung auf den Punkt: „Die vom Altstadtring belasteten Anwohner interessieren uns nicht. Sollen sie doch in Lärm und Abgasen ersticken“. Das kann man nicht anders als zynisch nennen.
  • Dass Lärm und Abgase des Altstadtrings nicht an der ersten Anwohnerreihe halt macht, sondern auch die Bewohner in 3. und 4. Reihe ganz konkret belasten, scheinen die Umgehungsgegner ganz bewusst zu ignorieren.
  • Und zu den Demografiestudien. Im Prinzip sagen die Umgehungsgegner nichts anderes als:  Warten wir noch 15 – 20 Jahre ab, dann erledigt sich das Problem von ganz alleine. Bis dahin kann man den betroffenen Bürgern den Lärm und die Abgase eben noch weiter zumuten. Auch hier wieder Zynmismus vom Feinsten.
  • Fazit:
    Hier kann man nicht mal von einer wirklichen „Alternative“ sprechen. Im Punkt „Verkehrsprognosen“ kommt die wahre Haltung der ablehnenden Politiker im Gewand der Umgehungsgegner deutlich zum Ausdruck, die sie schon die letzten Jahre im Hinblick auf den Verkehr auf dem Altstadtring an den Tag gelegt haben: Es interessiert uns nicht.

Zusammenfassung

Bei näherer Betrachtung erweisen sich alle „Alternativen“ als wirkliche Luft- und Lachnummer, wenn es um die konkrete Entlastung der Bürger von Lärm- und Abgasen durch 5,4 Mio Fahrzeuge / Jahr geht:

  • Kein einziger Vorschlag der Umgehungsgegner, der auf Basis von belastbaren Fakten in der Lage ist, die Verkehrsbelastung zu verringern.
  • Die Vorschläge zeigen auch: Die vielen Bürger in Hilpoltstein, die von den Verkehrsbelastungen in Hilpoltstein direkt und indirekt betroffen sind, sind den Umgehungsgegnern schlichtweg egal.
  • Dafür, dass das Problem der steigenden Verkehrsbelastung in Hilpoltstein seit Jahren bekannt ist, und genug Zeit war, ein funktionierendes Konzept zu entwickeln, sind diese „Alternativen“ wirklich jämmerlich.
  • Die Umgehungsgegner sind gegen eine Umgehung, haben aber keinerlei konkrete Alternativen, wie Hilpoltstein vom Verkehr entlastet werden kann.
  • Die Umgehungsstraße ist derzeit das einzige Konzept, das belegbar (Machbarkeitsstudie) den Verkehr in Hilpoltstein spürbar um ein Drittel verringern kann.

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