Die wirkliche Belastung der Hilpoltsteiner durch den Altstadtring

Die tatsächlichen Gefahren für die Hilpolsteiner durch den Altstadtring

Lärm und Abgase von 5,4 Mio Fahrzeuge im Jahr auf dem Altstadtring, der mitten durch Hilpoltstein führt. Eine Umgehungsstraße könnte hier Entlastung schaffen. Ist es nun aber wirklich so, dass nur die direkten Anwohner des Altstadtrings vom Lärm und den Abgasen belastet sind und die Umgehungsstraße deswegen nur wenige entlasten würden?

In diesem Artikel gehen wir dieser Frage auf den Grund und sehen uns die wirkliche Belastung Hilpoltsteins durch den Altstadtring auf Basis fundierter Zahlen und Fakten an. Die Hauptbelastungen durch den Altstadtring entsteht durch den Lärm und die Abgase.

Lärmbelastung

In zahlreichen wissenschaftlichen Studien wurde mittlerweile fundiert dargelegt, dass der Straßenverkehrslärm nicht nur ein unschöner Nebeneffekt der Mobilität ist, sondern konkret die Gesundheit der Menschen gefährdet.

Gesundheitsgefahren durch Straßenverkehrslärm

Untersuchungen haben mittlerweile ergeben, dass permanenter Straßenverkehrlärm negative Effekte auf die menschliche Gesundheit hat:

  • Lärm stellt nach Luftverschmutzung das zweitgrößte Gesundheitsrisiko in den westlichen Industrienationen dar (WHO Studie )
  • Dauer-Lärm durch Straßenverkehr erzeugt für den Körper Stress. Der Körper kann sich aber nicht an den Lärm „gewöhnen“, selbst wenn man ihn nach einer Weile gar nicht mehr bewusst wahrnimmt. (Artikel Spiegel Online )
  • Straßenverkehrslärm steigert den Bluthochdruck
  • Straßenverkehrslärm erhöht das Risiko von Herz-/Kreislauferkrankungen
  • Straßenverkehrslärm verursacht Schlafstörungen
  • Straßenverkehrslärm verursacht Hörschaden wie z.B. Tinnitus
  • Straßenverkehrslärm verursacht insbesondere bei Kindern Verschlechterung der Lernfähigkeit und der Gedächtnisleistung

Die Lärmgrenzwerte

Aufgrund dieser Gefahren durch den Lärm hat der Gesetzgeber Lärmgrenzwerte festgelegt (Wikipedia ):

  • In reinen Wohngebieten sind maximal erlaubt:  59 dB(A) – am Tag |  47 dB(A) – in der Nacht
  • In Kern-/Dorf- und Mischgebieten sind maximal erlaubt:  64 dB(A) – am Tag |  54 dB(A) – in der Nacht

Die Lärmbelastung auf dem Altstadtring

Wie hoch ist nun die Lärm-Belastung durch den Altstadtring? Dies wird nach Vorgaben des Gesetzgebers nicht mehr gemessen, sondern in Abhängigkeit der Verkehrsdichte, Straßenverkehrsbelag und anderer Parameter (gem. RLS-90) berechnet (in der Praxis hat sich die Berechnung als präziser und effektiver erwiesen!). Danach ergeben sich für den Altstadtring folgende Lärmbelastungen:

  • Allersberger Straße, Rother Straße, Heidecker Straße: 71 dB(A) – am Tag
  • Altstadtring: 74 dB(A) – am Tag
  • Die erlaubten Grenzwerte sind also beim weitem überschritten!

Lärmausbreitung

Nun könnte man im ersten Moment denken, nur die direkten Anwohner am Altstadtring wären von der Lärmbelastung betroffen, weil die Häuser evtl. den kompletten Lärm schlucken. Dem ist nicht so:

  • Schall breitet sich wellenförmig aus, nimmt aber auch mit zunehmender Entfernung ab. Die grundsätzliche Lärmabnahme  bei mehreren Pkw als Lärmquelle beträgt ca 3 dB(A) auf 100m Entfernung  (ohne Hindernisse wie Häuser, Bäume etc.). Bei 200 m Entfernung sind es noch 69 dB (A) (siehe oben Abbildung 1).
  • Häuser der ersten Reihe halten zwar ersteinmal einen gewissen Teil des Schalls ab. Aber nach dem sog. Schallschatten verstärkt sich der Lärmpegel wieder aufgrund der physikalischen Eigenschaften des Schalls. Mehr noch: Zwischenräume zwischen den Häusern und die Seitenwände können die Schallwellen sogar reflektieren und verstärken. Der Lärm dringt also auch in die 2. und 3. Häuserreihe weiter. (siehe oben Abbildung 2)
  • Auf Basis dieser Daten kann man berechnen, dass die Lärmgrenzwerte entlang der Hauptverkehrsachsen des Altstadtrings auch noch in einer Entfernung von 100 – 150m überschritten werden.
  • Wichtig zum Verständnis der Lärmbelastung:
    Schall entwickelt sich logarhythmisch und nicht linear: d.h. 60 dB (A) werden nicht als doppelt so laut wie 30 dB (A) empfunden, sondern 3mal so laut. Subjektiv empfindet der Mensch ca. 10 dB (A) als Verdopplung der Lautstärke. (Weitere Infos zum Thema „Lärm“)

Übersichtskarte: So viele Hilpolsteiner sind vom Lärm betroffen!

Um das zu verdeutlichen, ist in der Karte der Bereich visualisiert (grüne Fläche), in dem die gesetzlichen Lärmgrenzwerte entlang des Altstadtrings (rote Linie) überschritten sind. Deutlich wird, dass sehr viele Hilpoltsteiner direkt und indirekt von der Lärmbelastung betroffen sind:

 

Wichtig zum Verständnis der Lärmbelastung:

  • Selbst wenn man als Betroffener glaubt, sich an den „Lärm“ gewöhnt zu haben und ihn subjektiv nicht mehr wahrnimmt: Der Körper kann sich nicht an Lärm gewöhnen!
  • Eine Dauerbelastung durch den Lärm am Altstadtring erhöht das Risiko für die Betroffenen erheblich, auf Dauer krank zu werden. Auch Kinder sind davon betroffen.
  • Da auch Umgehungsgegner von den Belastungen betroffen sind, sollten sie sich überlegen, ob sie mit ihrer ablehnenden Haltung nicht auf Dauer sich selbst und ihren Familien schaden.

 

Belastung durch Abgase

Nicht nur der Lärm durch den Altstadtring stellt eine Gefahrenquelle für die Hilpoltsteiner dar. Noch gefährlicher ist die Abgasbelastung, denen die Bürger durch 5,4 Mio Fahrzeuge im Jahr nur auf dem Altstadtring entstehen.

Gesundheitsgefahren durch Abgase

Das Thema Autoabgase und die Gefahren für die menschliche Gesundheit sind mittlerweile intensiv untersucht und ausgewertet worden:

  • In den Abgasen von Verbrennungsmotoren sind zahlreiche giftige und gesundheitsschädliche Elemente wie z.B. Kohlenmonoxide, Stickoxide, Kohlenwasserstoffe, Kohlenwasserstoffe, Feinstaubpartikel (Ultrafeine Partikel), Aldehyde, Kohlendioxid etc. enthalten . Die Gefahren für die menschliche Gesundheit sind zahlreich (Quelle):
  • Herz-Kreislauf-Krankheiten
  • Atemwegserkrankungen / Beeinträchtigung der Lungenfunktion
  • Gehirnschäden
  • Krebserkrankungen
  • In Deutschland sterben 3x mehr Menschen wegen Belastung durch Autoabgase als bei Verkehrsunfällen

Abgasbelastung am Altstadtring

Die konkrete Abgasbelastung am Altstadtring kann mittels durchgeführter Studien bzw. Modelle (Berechnung per TREMOD – Umweltbundesamt) mittlerweile recht gut eingeschätzt werden  (siehe oben Abbildung 3) . Die Werte beziehen sich auf den Abgasausstoß, den ein bestimmter Fahrzeugtyp auf einer Strecke von 1 km erzeugt (Länge des Altstadtrings zwischen 2 – 2,5 km). Daraus kann man die Schadstoffbelastung pro Jahr errechnen, die durch die 5,4 Mio Fahrzeuge NUR auf dem Altstadtring erzeugt werden.

(Hinweis: Hier wurde vereinfacht nur die Werte für den Fahrzeugtyp Pkw angesetzt. Würden Lkw speziell in die Rechnung mit einbezogen, fiele die Schadstoffbelastung noch höher aus!):

  • Treibhausgase (Co2, CH4, N2O):  1501,0 Tonnen / Jahr
  • Kohlenmonoxid:  9,18 Tonnen / Jahr
  • Flüchtige Kohlenwasserstoffe:  1,728 Tonnen / Jahr
  • Stickoxide: 3,24 Tonnen / Jahr
  • Feinstaub: 0,07 Tonnen / Jahr
  • Gesamtbelastung Hilpoltsteins (nur) durch den Altstadtring: rund 1515 Tonnen / Jahr giftige Schadstoffe.

Verbreitung der Autoabgase in der Luft

Auch bei den Abgasen stellt sich die Frage: Sind die Bürger direkt von den giftigen Abgasen betroffen oder werden diese z.B. in die Atmosphäre transportiert und betreffen nicht direkt die Hilpolsteiner Bürger. Auch hierzu gibt es Studien, die die Entwicklung und Verbreitung von Autoabgasen genau untersucht haben (ausführlich zum Thema: Institut DLR – Der Verkehr als Luftverschmutzer, pdf-Datei) :

  • Autoabgase werden nach dem Ausstoss in die Luft gewirbelt und lagern sich kurzfristig in einer sog. Mischungsschicht in einer Höhe zwischen 100 m und 2000 m Höhe ab (abhängig von der Wetterlage)
  • 25% der aller ausgestoßenen Schadtstoffe fallen nach kurzer Zeit wieder in Bodennähe einer ca. 200m-Nahzone um die Straße abgelagert (siehe oben Abbildung 4)
  • In weiterer Entfernung nimmt die Konzentration der Schadstoffe ab (Grenzschichtbereich 1%, Mesoskaliger Bereich 2,5%)
  • Auf Basis dieser Daten kann man berechnen, inwieweit die Hilpolsteiner Bürger direkt und in welcher Konzentration von den Abgasen des Altstadtrings betroffen sind. In diesem Falle werden die Bürger, die in einem Bereich von 200 m entlang der Hauptverkehrsverbindungen des Altstadtring wohnen, mit 25% aller Schadstoffe des Verkehrs auf dem Altstadtring belastet.

Übersichtskarte:  So viele Hilpolsteiner sind von den Abgasen betroffen!

Um die Belastung für die Hilpoltsteiner durch Abgase zu verdeutlichen, ist in der Karte die  Nahzone von 200 m (blaue Fläche) entlang des Altstadtrings (rote Linie) visualisiert, in der die Menschen 25% aller Abgase direkt „abbekommen“. Auch hier wird deutlich, dass viele Hilpoltsteiner von sehr giftigen Schadstoffen direkt betroffen sind.

 

Innerhalb der blauen Fläche werden also die Hilpoltsteiner Bürger jährlich mit folgenden Mengen an Schadstoffen unmittelbar durch den Verkehr auf dem Altstadtring belastet:

  • Treibhausgase (Co2, CH4, N2O):  375,25 Tonnen / Jahr
  • Kohlenmonoxid:  2,30 Tonnen / Jahr
  • Flüchtige Kohlenwasserstoffe:  0,43 Tonnen / Jahr
  • Stickoxide: 0,81 Tonnen / Jahr
  • Feinstaub: 0,0175 Tonnen / Jahr

 

Fazit

Aus den Ausführungen des Artikel geht hervor, dass beim Thema „Altstadtring und Umgehungsstraße“ keine Rede sein kann von: „Wenige werden entlastet, viele werden belastet“. Im Gegenteil: Anhand der Karten wird deutlich, dass ca. 40 – 50 % der Hilpoltsteiner Bürger direkt von den erheblichen Gesundheitsgefahren durch den Verkehr auf dem Altstadtring betroffen sind. Die Ignoranz dieser gesundheitlichen Belastungen für viele Hilpoltsteiner Bürger durch die Umgehungsgegner aus BIGU, SPD und CSU ist schon bemerkenswert.

Umso dringender ist es erforderlich, so schnell wie möglich eine Lösung in Angriff zu nehmen, die tatsächliche Entlastung bringt. Die einzige funktionierende Lösung ist dabei die Umgehungsstraße. Deshalb „Ja“ zur Umgehung.

 

Weitere Links, Quellen und Informationen zum Thema

 

 

 

 

 

 

7 Kommentare zu “Die wirkliche Belastung der Hilpoltsteiner durch den Altstadtring

  1. Schade!!!!!
    „Nein, zu dieser Umgehung“
    war ein stratigisch guter Zug von SPD und CSU. Das es keine andere gibt und geben wird erwähnt keiner. Bei der Bigu habe ich die Bürger vermisst!!!!
    Danke, dass die pro Umgehung „Nur“ eine Bürgerintiative ist.

  2. …wenn man bedenkt, wieviele Anwohner in den vergangenen Jahrzehnten dieser immensen Belastung ausgesetzt waren und zukünftig weiterhin ausgesetzt sind und bleiben sollen(!), dann könnte man den JAHRELANG untätigen Stadtrat und die derzeitigen Aktivitäten der BIGU als menschemverachtend empfinden…

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